Berufs- und Privatleben - rigeros trennen?

Pullman, eine der premium Hotelmarken von Accor, setzt darauf, daß Geschäftsreisende neben ihrem Business auch privat sein möchten. Der Relaunch der Marke erfolgte unter diesem Glaubensbekenntnis (siehe NFh Nr. 07/13, S 1f.).

Um hier auf festerem Boden zu stehen, hat man das Forschungsinstitut Ipsos beauftragt, das länderübergreifend zu untersuchen. Dabei hat man eine Umfrage unter ca. 2 200 international Geschäftsreisenden zu Rate gezogen, ein Panel, zu dem die Datenbank von Pullman ein Drittel beitrug. Die Befragten sind Kunden mittelklassiger und gehobener Hotels, zwischen 25 und 65 Jahre alt und leben in Frankreich, Deutschland, dem Vereinigten Königreich, den Vereinigten Staaten, Brasilien, Australien und China. Es hat sich gezeigt, daß das Credo von Pullman zumindest nicht falsch ist: die Grenzen zwischen Privat- und Berufsleben der Reisenden verschwimmen (engl. „blur“), aber die Tendenzen sind doch sehr unterschiedlich.

Deutsche und französische Reisende vermischen ihr Berufs- und Privatleben am wenigsten und stehen dem Verschmelzen am kritischsten gegenüber. Außerdem sind sie am wenigsten bereit, private Dinge während ihrer Arbeitszeit zu erledigen. Chinesen und Brasilianer sind Weltmeister in „Blurring“ (eigentlich: weichzeichnend) und werden zu den am meistvernetzten Reisenden gezählt. Der Begriff beschreibt die stufenweise Vermischung beruflicher und privater Handlungen und ist als durchlaufender Trend erkennbar.

Einkommensstarke Vielreisende sind vernetzt und jederzeit erreichbar. Dadurch verwischen bei ihnen die Grenzen zwischen Arbeits- und Privatleben. Dieses neue Verhalten verändert die Organisation von Privat- und Berufsleben und bestätigt auch das Ausdehnen der Arbeit in den privaten Bereich, und im Nebeneffekt wird das Ausdehnen privater Tätigkeiten in den Arbeitsbereich als gerechtfertigt und als Teil einer stillschweigenden Übereinkunft mit dem Arbeitgeber angesehen. Amerikanische Reisende sind am ehesten unentschlossen, sagt die Erhebung. Australier und Briten schließlich sind, wenn es um die Überschneidung von Privat- und Berufsleben geht, wie Franzosen und Deutsche, zurückhaltend, jedoch nicht ganz so unwillig.

Es wäre natürlich eine weitere Untersuchung wert, herauszufinden, ob die Vermischung Business effektiver macht, weil Geschäftsleute entspannter ihren Aufgaben nachgehen oder ob weniger Disziplin schadet, eine Anregung, die in NFh Nr.01/14 zu lesen war (Probeabo bestellen mit hotelintern@t-online.de).




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