Gesundes altern - gibt es einen Cocktail dafür?

Foto: Romantik & Wellness Hotel Achterdeck

Können wir das Alter besiegen – wenigstens ein bißchen? Es wurden in Nature Forschungsergebnisse publik, die diese bislang utopische Hoffnung realistisch erscheinen lassen. Eineinhalb Jahre haben die Gutachter des Magazins die Befunde des Teams um Tony Wyss-Coray von der Stanford University geprüft – ein Zeichen dafür, daß diese etwas sehr Ungewöhnliches beschrieben haben.

Und tatsächlich ist es unerhört, was sie jetzt veröffentlichen (Wyss-Coray et al., 2017): Im Blut junger Menschen befinde sich ein Cocktail der Jugend. Demnach würden in den Gefäßen von Teenagern, Kindern und Babys Substanzen kreisen, die sie jung erhalten – und die offenbar zumindest die Gehirne greiser Labormäuse wieder vitalisieren können. Bei diesen Faktoren handelt es sich um spezielle Eiweiße, und ein erstes von ihnen will Wyss-Corays Team identifiziert haben: ein Protein namens Timp-2 (die ZEIT berichtete in Ausgabe 15/17 darüber).

2014 hatten diese Wissenschaftler festgestellt, daß alte Mäuse wieder so leistungsfähig wie in ihren Jugendtagen wurden, wenn man ihnen Blutplasma junger Tiere spritzte. Ist nun also klar, daß auch wir Menschen in jungen Jahren über diese wundersame Fähigkeit gebieten?

Man sollte die Euphorie bremsen: Bewiesen ist es nicht. Was bei alten Mäusen hilft, muß nicht in greisen Menschen funktionieren. Also besser abwinken und das Ganze für Zukunftsmusik erklären? Nein, das ist mit Sicherheit die falsche Reaktion auf die Nachricht aus Stanford.

Denn schon bald wird sich herausstellen, ob der Mensch zum Herrn über das Alter werden kann. Die Tests am Menschen haben nämlich begonnen: Alzheimer-Patienten und Parkinson-Kranke werden mit Blutkonserven junger Spender behandelt. Wohin die Reise geht, zeigt ein Versuch, der in den USA startete. Auch dort verabreichen Mediziner junges Blut. Die Empfänger sind völlig gesund, nur eben alt und bald am Ende ihres Lebens angelangt. Das – ganz offizielle – Ziel dieses Tests ist also nicht die Beseitigung einer Erkrankung. Sondern eines ganz natürlichen Teils unseres Lebens: Es geht darum, das Altern zu beherrschen.

Die Altersforschung erlebt einen Urknall. Die Befunde aus Stanford markieren nur den Beginn einer Reise. Epochale Erkenntnisse deuten sich an. Am Ende könnte die komplette Steuerung des Alterungsprozesses durch Menschenhand stehen. Wer also meint, über die künstliche Verlängerung des Lebens, ihre Konsequenzen und ihre Kommerzialisierung sei noch zu debattieren, möge sich beeilen.

Doch bei aller Euphorie darf man nicht übertreiben. Eines ist sicher: Unsterblichkeit bleibt Phantasie. Was herauskommen kann, ist gesundes Altern und vielleicht ein längeres Leben. Das ist erstaunlich genug.
Quelle: NFh Nr.07/17, Wellness Beilage




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