Austrian Airlines in der Bredouille

Unser Foto zeigt Alexis von Hoensbroech im Gespräch mit Lou Lorenz-Dittlbacher auf 3 Sat in ZIB 2

Die österreichische Tochter der Lufthansa, die Austrian Airlines (AUA), ist in Nöten. Am Flughafen Wien konzentrieren sich die Billigflieger, die durch Laudamotion (gehört zu Ryanair) neuen Auftrieb bekommen (fliegt für € 9,90 von Düsseldorf nach Marrakesch). Das verursacht Preiskampf, den die AUA nicht verlieren will.

Nach sechs gewinnträchtigen Jahren droht die Airline wieder in die Verlustzone zu fliegen, was die Mutter auf den Plan ruft. Das Unternehmen soll die internen Kosten über Effizienz- und Produktivitätsverbesserungen ab 2021 um € 90 Mio. pro Jahr senken. Rund 700-800 Stellen sind vom Programm „PE20“ betroffen. Ein Großteil davon wird über natürliche Fluktuation abgefedert, aber die Fluglinie muß natürlich wieder auf Wachstumskurs schwenken. 

Austrian Airlines CEO Alexis von Hoensbroech: „Wir müssen uns neu aufstellen, um im brutalen Wettbewerb gegen die Billig-Flieger zu bestehen. Die Maßnahmen sind zum Teil schmerzhaft, weil sie uns Substanz nehmen, die wir in den vergangenen Jahren mühsam aufgebaut haben. Sie sind aber gleichzeitig notwendig, um die Zukunft von Austrian Airlines als führende Fluggesellschaft in Österreich zu sichern.“ 

Über das Strategieprogramm #DriveTo25 willt die Airline ihre Flottenstärke in Wien bündeln, indem sie alle in Österreich verfügbaren Flugzeuge in der Hauptstadt stationiert, wo der Preiskampf tobt. Schützenhilfe kommt dabei vom Konzern: Deutschland-Flüge aus den Bundesländerflughäfen werden sukzessive von Lufthansa geflogen. Schon im Dezember wird die Strecke Salzburg-Frankfurt von „OS“ auf „LH-Flugnummer“ umgeklappt und damit Flugzeuge freigespielt. Die dezentralen Crewbasen in den Bundesländern werden geschlossen. Betroffene Mitarbeiter erhalten Wechselangebote nach Wien. 

Zur Verteidigung des Standorts Wien baut Austrian Airlines gleichzeitig ihre Flotte um: 18 kleine Turboprops sollen gegen zehn größere Mittelstrecken-Jets des Typs Airbus A320 ausgetauscht und damit erhebliche Produktivitätsverbesserungen gehoben werden.

„Durch den Tausch der Flugzeuge und der engeren Zusammenarbeit mit unserer Konzernschwester Eurowings bündeln wir in Wien unsere Flottenstärke“, sagt CCO Andreas Otto an, „wir weichen keinen Millimeter zurück und halten an unserer Premium-Strategie fest.“ 

Austrian Airlines will sich gleichzeitig als Unternehmen schlagkräftiger aufstellen. „Schlagkräftiger“ bedeutet produktiver und effizienter. Denn größere Flugzeuge bedeuten geringere Stückkosten, weil vereinfacht gesagt, mit weniger Crews mehr Passagiere befördert werden können. Die Flottenharmonisierung bedeutet letztendlich auch eine Reduktion von Komplexität: Mit dem Wegfall eines Flugzeugmodells fallen auch Kosten für die eigene Ausbildung von Piloten, Flugbegleitern und Technikern sowie die Lagerung von Ersatzteilen weg. 

CFO Wolfgang Jani: „Alleine durch die Flottenharmonisierung können wir einen signifikanten Beitrag zur Ergebnisverbesserung leisten.“ 

Austrian Airlines plant zudem Verbesserungen in den Unternehmensabläufen durch Automatisierung, Digitalisierung, Zentralisierung und Kürzungen bei den Sachaufwendungen. In den kommenden zwei Jahren sollen über Produktivitäts- und Prozesseffizienzmaßnahmen 90 Mio. Euro eingespart werden. „Diese wollen wir in Ruhe mit unserem Betriebsrat besprechen“, kündigt der Austrian Finanzchef an. 

In diesem Zusammenhang hofft er die Sozialpartner und die heimische Politik als Verbündete zu gewinnen. Das Problem ist der unfaire Wettbewerb bei den Sozialstandards. Die EU hat es versäumt, hier einheitliche Bedingungen zu schaffen, die erst einen fairen Wettbewerb ermöglichen
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Ab Januar 2020 wird die Konzernschwester Eurowings aus ihrer Wiener Basis heraus mit vier Flugzeugen im „Wet Lease“ für Austrian Airlines fliegen. Damit wird eine deutlich engere Abstimmung des Streckenangebots möglich und erlaubt neue Direktflüge im Austrian Airlines Flugplan nach Barcelona, Birmingham, Nürnberg, Rom oder Zadar. Auf der Langstrecke wird Austrian Airlines im kommenden Sommerflugplan 2020 die Urlaubsdestination Miami aus dem Programm nehmen. Die Strecke, welche bisher ausschließlich saisonal im Sommer bedient wurde, ist nicht mehr wirtschaftlich. Die Strecke Wien-Los Angeles, welche AUA ebenfalls nur im Sommer bedient, wird im kommenden Sommerflugplan 2020 fünf statt wie bisher sieben Mal angeboten. Was mit der gewonnenen Kapazität auf der Langstrecke passiert, ist derzeit noch offen. 

Das Strategieprogramm #DriveTo25 behält trotz Billig-Angriff seine Gültigkeit. Dabei geht es kurz gefasst um das Erreichen der Investitionsfähigkeit und die Erneuerung der für den Standort Wien so wichtigen Langstrecke. 

„Unsere langfristige Strategie bleibt gültig: Wir wollen Austrian Airlines modernisieren, profitabel und investitionsfähig machen“, sagt CEO Alexis von Hoensbroech, „investitionsfähig heißt, dass das Unternehmen die notwendigen Investitionen selbst tragen kann.




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