Mit der A-Rosa Stella auf der Route Mediterrannée

A-Rosa ist seit 2005 mit zwei Schiffen auf dem Rhône und der Saône (Stella und Luna). Sie wurden auf der Neptun Werft in Rostock speziell für dieses Fahrgebiet gebaut, 125,80 m lang und 11,40 m breit mit 86 Außenkabinen und passen exakt in die Schleusen, welche die Schiffahrt auf diesen Flüssen ermöglichen. Die Chefredaktion hatte Gelegenheit, an einer Reise auf der Route Mediterrannée (es gibt mindestens fünf weitere) teilzunehmen. Ein Reisebericht.

Es ist Samstagabend, kurz nach 9 Uhr, als das Schiff in Lyon ablegt. Das Abendessen im Bordrestaurant ist eingenommen, und es sind nur wenige Schritte bis zum Sonnendeck. Die geht gerade unter und die blaue Stunde beginnt. Die Stella fährt mit weniger als 20 km/h und ist allein auf dem Fluß, der hier schon so breit wie ein Strom ist. Als die Industrieanlagen der Stadt enden, säumen Wiesen und Wald das Wasser. Ich atme auf, der Stress der letzten Tage und der der Anreise fällt von mir ab.

Wer an so einer Reise teilnimmt, befindet sich in alter Kulturlandschaft auf einem touristisch hochinteressanten Weg. Lyon, am Zusammenfluß von Rhône und Saône ist ungefährt 450 km von Paris und 350 km vom Mittelmeer entfernt und hat von beidem etwas, und die Stadt hat Paul Bocuse, den Jahrhundertkoch. Daß er gerade hier groß geworden ist, kommt nicht von ungefähr. Der Nährboden ist für so was wichtig, und das ist die ehrliche, bodenständige Küche, die man in den vielen kleinen Lokalen in der Stadt erleben kann.

Als das Schiff am Dienstagmorgen in Arles anlegt, ist es nicht mehr weit zum Mittelmeer. Wir haben die meisten der 12 Schleusen passiert, die es bis zur Umkehr zu bewältigen gilt. Vor mir liegt der Ausflug „Mit dem Jeep durch die Carmargue“, worauf ich mich freue, weil ich noch nicht in dieser Gegend war, im Gegensatz zu Marseille, wohin von hier aus ebenfalls ein Ausflug geht (neben vielen anderen). In Marseille, erinnere ich mich, war ich das erste Mal 1970, und das einfache Hotelzimmer, das ich damals bevorzugte, kostete 10,- Franc.

Die Carmargue, der Landstrich zwischen den beiden Armen des Rhône, ist schon viel beschrieben worden. Was mir auffiel, war der Unterschied zwischen dem nördlichen und südlichen Teil. Hier Landwirtschaft und die Reiskammer Frankreichs (man sagt, ein Drittel dessen, was die Franzosen an Reis konsumieren, kommt von hier) und die Weite des Südens mit dem Étang Vaccarès. Ja, wir haben die weißen Pferdchen, die typisch sind, gefüttert, Flamingos und den schwarzen Stier gesehen. Aber hier will ich noch mal hin, mit einem langsameren Transportmittel, um näher dran zu sein und mich länger aufhalten.

Die am besten touristisch vermarktete Stadt an der Route ist Avignon. Die Stadt hat aber auch etwas, worum andere sie zu Recht beneiden: eine hervorragende Lage mit Autobahnanbindung, ein sehr intaktes historisches Stadtbild und offensichtlich eine Administration, die allen in der großen weiten Welt erzählt, was hier zu sehen ist und von wo dann in großer Zahl eingeströmt wird, um an Festivals teilzunehmen, die sich vom Frühsommer bis zum Herbst aneinander reihen. Die Stadt brummt, wie man so schön sagt, von früh bis spät. Die Mythen und Erzählungen - auch von den Päpsten, die hier 70 Jahre residierten -, die sich um die Stadt drehen, werden wachgehalten, und nicht zuletzt ein Volkslied „sur le pont d’Avignon ...“ trägt die Botschaft hinaus.

Da haben es Städte wie Arles oder Viviers nicht so leicht. Beide liegen abseits der touristischen Routen, ein Manko, das durch die historische Substanz nicht ausgeglichen wird. Und da ist einiges. Beide haben ein intaktes Stadtbild, Arles ein gut erhaltenes Amphitheater und Viviers eine Kathedrale (St.Vincent), deren Ursprünge aus der Zeit stammen, als der Ort Hauptstadt der gallischen Provinz der Helvier war. Sie ist Bischofssitz, und der Bischof hat hier eine Wohnung.

Unterprivilegiert, aber mit Potential, sind auch Touron und Tain L’Hermitage, die am Donnerstag erreicht wurden. Sie befinden sich an einem Rhône-Druchbruch, vergleichbar mit dem am oberen Mittelrhein und einer ähnlichen Konstellation wie St.Goar und Assmannshausen. Hier wie da, hervorragende Lagen. Am Rhein wird Spätburgunder erster Klasse angebaut, in Tain Syrah ebensolcher Güte. Der Name der Appellation Croszes-Hermitage führt zu Entzücken. Und - die Gegend hat einen Autobahnanschluß, ähnlich wie St. Goar ...

Die Tage vergehen, und ehe ich es bemerke, sind acht um. Und damit endet die Kreuzfahrt auf der A-Rosa Stella. Was bleibt, ist die Erinnerung an die netten Menschen, die ich traf, an die kleinen Events an Bord, an die schönen Ausflüge und Exkursionen, an die die angenehme Atmosphäre, an Savoir-vivre, wovon ich eine Ahnung bekam. Und ich sollte die Reise noch einmal machen, um all das zu entdecken, was mir diesmal nicht aufging.




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