Holz ist ein besonderer Stoff

Wer sich der Qualität verschreibt, ist auf der sicheren Seite. Das gilt für alle Bereiche in der Branche, sei es Soft- oder Hardware. Blenden nutzt nichts, die Kundschaft schaut auch hinter die Kulissen, wird dazu geradezu eingeladen. NFh sprach darüber mit jemanden, der es wissen muß.

NFh: Herr Nuxoll, Sie sind der Chefredakteur von Interieur News und beschäftigen sich als Autor von Publikationen mit den Qualitätsdienstleistern der Branchen. Gelegentlich treten Sie auch als Kritiker der Möbelindustrie in Erscheinung, die fragwürdige Ware auf den Markt bringt, ohne daß die Kundschaft es merkt. Können Sie einmal erläutern, was die Ursache für den Qualitätsverlust ist?

Josef Nuxoll: Das größte Unglück der Möbel- und Einrichtungsbranche war die Aufhebung der Preisbindung im Jahre 1974, seitdem geht es mit dem sogenannten gehobenen Markenmöbel- und Markeneinrichtungshandel bergab, weil die Hersteller auf ihre Partner am Ort des Verkaufs keine Rücksicht nahmen. Sie taten sich mit den großen Hochglanz - Wohnzeitschriften zusammen, unter dem Motto, „wir werden in den beiden Hochglanz - Wohnzeitschriften mit der höchsten Auflage so viel Werbepower entwickeln und Umsatz generieren, daß die gehobenen Einrichtungsstudios und Einrichtungshäuser froh sind, von uns beliefert zu werden. Der gehobene Möbelhandel wurde nur noch Auslieferstation für die sogenannten gehobenen Markenmöbel.
Das Ergebnis: wir mußten inzwischen in dem von uns herausgegebenen www.inneneinrichterguide.de, wo die besten Drei- und Viersterne Einrichtungsstudios und Einrichtungshäuser im deutschsprachigen Raum vorgestellt werden, von ursprünglich 500 Unternehmen mehr als 200 streichen, weil sie nicht mehr existieren. Fast der gesamte gehobene Möbel- und Einrichtungshandel sackte in den Massenkonsumbereich ab, so z.B. der Stolz der Branche, die WK-Häuser (Wohnkultur Einrichtungshäuser). Übrig geblieben sind noch zwei - im höchsten naturverbundene und individuell auf Interieurniveau arbeitende - Unternehmen, Bornhold in Hamburg und Böhmler im Tal, München, die sich Ihr hohes Ansehen erhalten. Alle anderen großen WK-Häuser haben zugemacht oder sind in Insolvenz gegangen, dabei auch die wohl bedeutendste Persönlichkeit in unserer Branche Josef Pesch. Bei ihm sind die großen Holztrends in die Welt gesetzt worden: der Birkentrend, der Teakholztrend aus Schweden und der Rio-Palisandertrend aus Dänemark, der Weißlacktrend aus Schweden. Sie machten alle Weltkarierre, und Pesch setzte die Initialzündung. Das hat ihn schließlich nicht vor der Insolvenz bewahrt.Selbst viele große Musterringhäuser machten zu, wie in Köln May, Hochhäuser und Buch, und der Musterringverband selbst sackte in die Großfläche ab.
Wem es gutgeht, ist der auf Interieurniveau arbeitende Drei- und Viersterne Inneneinrichter. Im mittleren Konsumbereich sind es die, die sich mit eigenen Modellen und verbandseigenen Modellen Freiraum zum Überleben geschaffen haben. Am besten geht es den großen Filialisten und den Großflächen, wie es aus dem Netzwerk der Absolventen der Möbelfachschule zu erfahren ist.

NFh: Möbel werden in der Regel aus Holz gefertigt, jedenfalls glaubt das der Hotelier, Gastronom oder gehobene Konsument. Ist der Glaube berechtigt?

Josef Nuxoll: Naturverbundenes und individuelles Interieur ist heute eher selten. Achtzig Prozent der Schränke - Möbel kann man ja dazu nicht sagen, denn die sind seit tausend Jahren aus Holz - sind in Spanplatte oder anderen Ersatzträgerplatten gearbeitet. Sie sind mit Plastikfolie oder Plastikplatten versehen. Wenn man es puristisch betrachtet, handelt es sich hier um Sondermüll. Selbst die Wohnzimmer und Schlafzimmer von dem bedeutendsten und bekanntesten Kastenmöbelhersteller sind aus Spanplatten, nur die überlangen Einlegeböden sind aus Massivholz-Stäbchenplatten, weil die Spanplatten bei dieser Überlänge vom Eigengewicht schon durchhängen. Selbst der angesehenste europäische Hersteller von Lederpolstermöbel fertigt Sondermüll, weil er diese edlen und teuren Leder auf Schaumstoff verarbeitet.
Qualitätseinrichtungen kann man bei Drei- und Viersterne Einrichtungsstudios erwerben. Qualitätsmöbel sind aus Holz und dies seit mehr als tausend Jahren. Im konsumigen Einrichtungsbereich - wo ja der riesige Umsatz gemacht wird - ist dies nicht mehr der Fall. Es gibt hier noch Massivholzmöbel, aber 60% von dem, was in den Handel kommt, sind Spanplattenmöbel mit Plastikfolie, die schon bei der Herstellung „Sondermüll“ sind.

NFh: Wie Sie erwähnten, ist etwa die Hälfte der von der Möbelindustrie hergestellten Verbrauchsgüter bei der späteren Entsorgung als Sondermüll zu behandeln. Ist der Gebrauch dieser „Möbel“ eigentlich gesundheitsschädlich?

Josef Nuxoll: Um auf der sicheren Seite zu sein, habe ich die Pressesprecherin der Verbände der deutschen Holz-, Möbel- und Fertigbauindustrie, Ursula Geismann, dazu befragt. Sie sagt: „Leider können wir nicht feststellen, wie viele Möbel mit Plastikfolien beschichtet sind. Fakt ist aber, daß die Menschen Sondermüll haben. Ich glaube allerdings nicht, daß solche Möbel gesundheitsschädlich sind. Aber, es ist schon traurig, daß immer weniger Furnier eingesetzt wird.“

NFh: Holz als nachwachsender Rohstoff ist recht kostbar, aber er wird immer mehr zur energetischen Nutzung mißbraucht, weil erzählt wird, es gäbe gutes und schlechtes CO2.

Josef Nuxoll: Grundsätzlich kann man sagen, daß die Wälder und das Holz weltweit immer mehr geschützt werden, weil die nachhaltige Forstwirtschaft, die es seit 300 Jahren in Deutschland und Europa gibt, weltweit praktiziert wird und nur noch zertifiziertes Holz zu verkaufen ist. In Nordamerika wurden vor 80 Jahren die riesigen Edelholz-Wälder einfach abgeholzt. Heute wird - wie in Europa - nur so viel Holz eingeschlagen wie nachgewachsen ist, und vor allem wird überall da wo ein Baum abgeholzt wieder aufgeforstet. Diese Entwicklung setzt sich auch in Südamerika durch, den schwachen Regierungen ist es allerdings vielfach nicht möglich, dies immer durchzusetzen. In Westafrika gibt es die gleiche Entwicklung. Schlimm ist es in Ostafrika, Ostasien bis nach Rußland, wo die Chinesen weiter Raubbau betreiben. Urwaldgebiete so groß wie Belgien sind in Sumatra, Borneo und Indonesien niedergemacht worden um Plantagen mit Palmölbäumen anzulegen, weil Biosprit produziert wird. Das ist ein Verbrechen gegen die Menschheit, das über Afrika, Amerika bis nach Europa reicht, wo ebenfalls Lebensmittel durch den Auspuff gejagt werden.

NFh: Wo kommt eigentlich das ganze Holz her, das als Scheitholz verbrannt oder zuvor zu Pellets verarbeitet wurde?

Josef Nuxoll: Zunächst aus der eigenen weltweit, vorbildlichen, nachhaltigen, deutschen Forstwirtschaft, die schon mehr als 300 Jahre praktiziert. Weil das aber nicht genug ist, wird sehr viel Holz aus dem osteuropäischen Ausland angeliefert, das nur bedingt kontrolliert geerntet wird. Je weiter die Wälder im Osten liegen, je mehr Raubbau wird betrieben, wie Satellitenaufnahmen beweisen.
Erstmals in der Geschichte der Holzindustrie werden mehr als 50% des Holzes energetisch genutzt, das heißt, es wird als Scheitholz im Ofen verfeuert oder zu Pellets gepreßt. Es gibt in Deutschland immer mehr Öfen, die mit Brennholz oder mit Pellets befeuert werden. 15 Millionen sind es bereits bundesweit, und jedes Jahr kommen Hunderttausende neue Kamine und Öfen hinzu. Die Nachfrage nach Gemütlichkeit und vermeintlich grüner Wärme steigt und wird auch noch staatlich gefördert.




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