Wie der Gemischte Satz wieder heimisch wurde

Winzer sind immer auf der Suche nach dem Besonderen. Manchmal genügt dann auch der Blick zurück, wie Rainer Rüttiger, Dipl.-Ing. Weinbau & Ökologie - unser Foto - im Gespräch mit NFh berichtet.

Rüttiger befaßt sich mit den alten, teilweise in Vergessenheit geratenen Sorten seit 1990. Damals war er im Anschluß an sein Studium in Geisenheim in der Schweiz, in der Walliser Weinkellerei Adrian Mathier, bis 1993, als Kellermeister. Da es zu der Zeit im Wallis 48 verschiedene, und zum Teil nur auf engstem geographischen Raum angebaute Rebsorten gab, war das Interesse des Riesling und Spätburgunder Weinbauers aus dem Rheingau geweckt. Als dann zu Beginn des Jahrtausends in Geisenheim die ersten nennenswerten Versuchsweine des Roten Rieslings, des Gelben Orleans und des Weißen Heunisch präsentiert wurden, war der Weg frei, um sich auch hier mit der Frage des Wiederanbaus zu beschäftigen.

Im Jahr 2011 wurde seit über 100 Jahren der erste Rheingauer Gemischte Satz wieder gepflanzt und zwar im Eltviller Rheinberg auf einer Parzelle auf Lößlehm und humusreichen Böden. Neben den bereits erwähnten züchterisch bearbeiteten historischen Rheingauer Rebsorten Roter Riesling, Weißer Heunisch und Gelber Orleans gehören dazu noch der Weiße Riesling, Elbling, Gewürztraminer und Silvaner. Die Reben sind in der Reihe auch gemischt gepflanzt, jeweils in der gleichen Anzahl der Stöcke. Die Auswahl der Rebsorten erfolgte nach eingehendem Studium von Nassauischen Jahrbüchern aus Mitte bis Ende des 19. Jahrhunderts sowie unter Einbeziehung ampelographischer Quellen von Bronner (1836) und Heckler (1858). Der Reiz, aber auch die Herausforderung des Gemischten Satzes liegt in der Variabilität des Reifeverhaltens der einzelnen Rebsorten. Diese führt, das zeigen die ersten vier Jahrgänge, zu deutlich unterschiedlichen Weinen, die sich je nach Gesundheitszustand und Reife der einzelnen Rebsorten geschmacklich differenzieren. Auch der Anbau im Weinberg ist sehr differenziert. Von Rebsorte zu Rebsorte zeigen sich deutliche Unterschiede in Wachstum und Entwicklung sowie Reifung der Reben sowie der Trauben. Die daraus resultierende Terminierung der Arbeiten sowie der Lese sind immer ein Kompromiß zwischen dem frühesten und spätesten Partner in der Anlage. Ausbau und Gärung finden zu 2/3 im Holzfaß statt. Es entsteht Jahr für Jahr eine andere Geschmacksnuancierung. Von der Anmutung her aber immer strohgelb mit Grünanteil, kraftvoll und doch weich.

Rainer Rüttiger leitet Kellerwirtschaft und Außenbetrieb des Weinguts Baron von Knyphausen in Eltville. Vom Gemischten Satz sind 2 300 Flaschen im Keller. Der Wahlspruch des Weinguts ist: Tradition.Qualität.Charakter. Es ist seit 1818 im Besitz der Familie, seit 1972 beim VDP.
Quelle: NFh Nr.05/16




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