Die neue Bürde - kritisch hinterfragt

Screenshot DEHOGA Landesverband Bayern

Seit dem 01.01.23 haben Gaststätten (u.a.), die Speisen und Getränke zum Mitnehmen anbieten, es der Kundschaft zu ermöglichen, diese in Mehrwegbehältnissen zu verpacken, so hat es Brüssel verfügt. Warum das so sein soll, weiß keiner so richtig, naheliegend ist natürlich, die Absicht, Müllberge zu verkleinern, die durch Einwegverpackungen entstehen und die Prämisse, Mehrweg sei für die Umwelt günstiger, da sie mehrfach verwendet wird. Beides soll und muss auf den Prüfstand.

Die Branche als solche hat sich offenbar damit abgefunden, dass ihr – aus welchem Grund auch immer – neue Bürden auferlegt werden. Lediglich der Präsident des DEHOGA-Landesverbands Sachsen-Anhalt, Michael Schmidt, hat sich bisher kritisch zum Thema geäußert. Der Landesverband Bayern hat Werbematerial für den Fensteraushang anfertigen lassen, damit die Kundschaft weiß: hier kann ich meine Speise in Mehrwegbehältnissen bekommen, die im übrigen nicht mehr kosten darf als beim Einweg, was die Gewinnspanne des Gastronoms weiter reduziert, denn Mehrweg ist teurer, es sei denn, der Kunde bringt sein eigenes Geschirr mit.

Die Gretchenfrage für Mehrwegsysteme lautet: Wie oft werden die Behältnisse tatsächlich verwendet? Mehrwegverpackungen sind nach zehn bis 25 Nutzungen der Wegwerfvariante ökologisch überlegen – wenn der Strom fürs Spülen grün ist. Ansonsten ist der CO2-Ausstoß erst geringer, wenn Mehrwegbehältnisse mehr als 50 Nutzungen durchlaufen. Die werden allerdings auch bei Bierflaschen selten erreicht.

Nun gibt es schon ein paar Anbieter von Mehrwegbehältnissen auf dem Markt, die verleihen an die Gastronomie und andere Verpflichtete Behältnisse, zu unterschiedlichen Bedingungen und Kosten. Die träumen natürlich schon davon, dass der Gesetzgeber Einweg generell verbietet.

Die zweite Frage, die zu beantworten wäre, ist die: Verkleinern die neuen Bestimmungen die Müllberge? Das ist eine Frage des Blickwinkels. Grundsätzlich sind Verpackungen im System des Grünen Punkts, das ursprünglich als non-Profit-Unternehmen gegründet wurde, mittlerweile ein richtig gutes Geschäft, unabhängig davon aber immer noch für Abfallvermeidung und –Trennung zuständig. Da hätte man die Sache natürlich lassen oder hinschieben können. Da steht allerdings ein Naturgesetz gegen. Es lautet, wenn man erst einmal ein Büro hat, entsteht Bürokratie von alleine. Und Brüssel ist heute ein großes Büro.

Bleibt noch schlechtes Benehmen, also Verpackung einfach auf den Boden schmeißen oder neben den überfüllten Müllbehälter der Kommune. Dagegen hilft keine Verordnung, lediglich Unterrichtung, die liegt allerdings auch im Argen.




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