Nach Bordeaux - nicht nur des Weins wegen

Eine Reise nach Bordeaux ist ein Kinderspiel, nach dem die Billigflieger (z.B. Germanwings ab Köln) die Handelsmetropole am Unterlauf der Garonne (ab hier Gironde), als Destination auf dem Flugplan haben. Früher mußte man über Paris, was nicht nur umständlich, sondern auch teuer war. Und Geld kann man in Bordeaux und Umgebung natürlich genug ausgeben und das schon seit Römers Zeiten.
Die brachten die Reben hierher und erkannten Klima und Boden ideal für eine kultivierte Weinwirtschaft. Daran hat sich bis heute nichts geändert, nur die Dimensionen änderten sich, der Grad des Wohlstands und des Komforts. Wein hat einigen Menschen in der Gegend im Dreieck zwischen St. Emilion, Paulliac und Margaux einen Lebensstandard beschert, von dem man in anderen Weinbaugebieten der Welt nur träumen kann. Daß es daneben einen Weinbau gibt, wie anderswo, sei auch erwähnt.
Das ganz große Geld wird auf den „Mikrochâteaux“ gemacht, die manchmal weniger als 1000 Kisten pro Jahr abgeben zu Preisen, höher als die für einen Médoc Premier Cru. Für diese Klientel war es bisher in Bordeaux und Umgebung schwierig, eine standesgemäße Bleibe zu finden. Zwar haben die großen Weingüter die Chance genutzt, stattliche Herbergen anzubauen, aber in der Stadt gab es kein sehr feines Haus. Das ist jetzt anders. Am Place de la Comédie, direkt gegenüber vom Grand Théâtre empfängt ein Regent Gäste, das Grand Hotel der Stadt.
Es befindet sich in ursprünglich neoklassizistischen Gebäuden, die 1776 vom Architekten Victor Louis erstellt wurden, der im selben Jahr auch das gegenüberliegende Opernhaus plante. Die Fassaden der prestigeträchtigen Bauten wurden perfekt aufeinander abgestimmt und schaffen eine harmonische Kulisse. Während das Theater ständig gepflegt wurde, kamen Hotel und angrenzende Häuser in die Jahre und fanden glücklich in Michel Ohayon - Bürger Bordeaux - einen Mäzenen, der 1999 beschloß, das Grand Hôtel sowie weitere Gebäude im nächsten Umkreis zu kaufen, um ein prestigeträchtiges Projekt zu verwirklichen. Es dauerte dann aber immer noch fast acht Jahre, während der Michel Pétuaud-Létang, ein Architekt aus Bordeaux, die insgesamt acht Bauten zusammenfügte und daraus ein kohärentes Ensemble schuf. Mit der Gestaltung des Interior-Designs wurde der französische Innenausstatter Jacques Garcia beauftragt. Nach seinen Entwürfen entstand auf rund 23 000 m2 ein luxuriöses Stadtrefugium für Gäste mit höchsten Ansprüchen inklusive zwei Restaurants, Bar, Wintergarten, Weinkeller, Privatclub, Spa und einer luxuriösen Einkaufspassage mit Modeboutiquen namhafter Designer, der sogenannten Fashion Avenue. Davon wird das Spa erst im Herbst eröffnet, aber das feine Restaurant Pressoir D'Argent empfängst seit Mitte Juni Gäste. Um die Küche auf das erforderliche Niveau zu lancieren, werden keine Mühen gescheut. Tatkräftigen Rat gibt es aus Brüssel und Berlin. Der Schwerpunkt der Zubereitungen liegt auf Fisch und Meeresfrüchten. Die Weinkarte enthält zu Anfang mindestens 800 Namen.
Im zweiten Restaurant des Regent, der Brasserie L’Europe, wirkt Laurent Costes. Neben Klassikern wie Entenstopfleberschnitzel nach südwestfranzösischer Art, Clubsandwich mit Hühnchen und gegrilltem baskischem Speck gibt er auch kreative Köstlichkeiten wie Enten-Confit-Pastete, Schinken-Pizza „Noir de Biggore“, gegrillten Hummer mit Beurre de Corail und Senfkörnern oder gegrilltes Rinderkotelette. Möglich macht diese Vielfalt von Köstlichkeiten die zum Speisesaal offene Küche, die mit einem traditionellen Holzkohleofen, einer Plancha und einer speziellen Grillvorrichtung eingerichtet ist. In der Brasserie wird auch das Frühstück gereicht.
Die zweistöckige, direkt auf die Place de la Comédie ausgerichtete Brasserie wurde getreu dem Geist der Belle Epoque geplant und erinnert an die großen Brasseries des 19. Jahrhunderts. Jacques Garcia wurde während der Planung von alten Ansichtskarten und Fotos aus dem 19. Jahrhundert inspiriert und schuf eine bunte Mischung, die drei Themenkreise erkennen läßt: Victor Hugo, das alte Bordeaux und die Bordeaux-Schlösser.
Der Umsatz für das z.Zt. dritte Regent in Europa soll zu 60 % aus dem Business und hier insbesondere aus der Weinwirtschaft kommen und zu 40 % aus Urlaubern. Das Haus hat 14 Konferenzräume und einen Ballsaal, wie man ihn sonst wohl nur noch in Paris findet. Er ist das Prunkstück und trägt den Namen „Salon Sauternes". Der ockerfarbene Marmor an den Wänden, die farbenfrohen Malereien, die Zierleisten und Vergoldungen an der Decke und der Parkettboden mit Zickzackmuster sind Originalstücke. Vier prächtige Baccarat-Lüster fügen sich in dieses Ensemble ein, ein von hier aus auf das Grand Théâtre schweifender Blick kann den Atem verschlagen lassen.
Chefin im Haus ist Nathalie Seiler-Hayez. Sie ist 37 Jahre alt, verheiratet und hat eine Tochter. Für die Aufgabe in Bordeaux hat sie das Radisson SAS Hotel Champs Elysées verlassen, wo sie seit 2004 GM war und wo sie erstaunliche Erfolge erarbeitete. Der Gewinn vor Steuern und Abschreibungen konnte um 129 % gesteigert werden, die RevPar verbesserten sich um 95 % (von E 120,- auf E 234,-). Gleichzeitig gelang es, die Auslastung und den durchschnittlichen Zimmerpreis um 89 % oder auf E 264,- in ‘07 gegenüber 56 % und E 213,- zuvor zu steigern.
Wirtschaftlicher Erfolg ist auch das Ziel in Bordeaux. Auf Befragen nennt Nathalie Seiler-Hayez eine Durchschnittrate von E 350,- im ersten vollen Geschäftsjahr für möglich. Diese Ambitionen werden Rezidor freuen. Diese börsennotierte Hotelgesellschaft lizenziert die Marke Regent bekanntlich in Europa.




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