Wünsche und Wirklichkeit in Einklang bringen

Fünf Fragen an den Geschäftsführer von Wellness-Hotels GmbH, Michael Altewischer:
NFh: Das Bewußtsein der Menschen für den Wert einer intakten Umwelt geschärft zu haben, ist sicher ein gesellschaftliches Verdienst unserer Zeit. Gerade in den gehobenen Hotels, die Wellness-Kundschaft haben, ist es ein Marketinginstrument. Was sind hier die Schwachpunkte und was könnte man noch besser machen?
Michael Altewischer: Das Thema Umweltschutz und Nachhaltigkeit in der Hotellerie ist eigentlich kein Marketinginstrument. Sowohl die deutsche Rechtsprechung, als auch die EU hat aus aktuellen Erkenntnissen heraus hierfür klare Handlungsweisungen verfaßt: Unter anderem das Erneuerbare-Energien-Wärmegesetz (EEWärmeG 2009), das vorgibt, daß bis 2020 14 Prozent der Wärme durch erneuerbare Energien gespeist werden müssen. Unsere Kooperation hat seit ihrer Gründung 1997 auf umweltbewußtes Hotelmanagement bei ihren Partnerhäusern geschaut. Nun sind wir in der Testphase mit dem international anerkannten System: „Green Globe“, dessen 320 Kriterien hier in Europa vom TÜV durch ein unabhängiges Audit vor Ort geprüft werden. Eine der Verpflichtungen der Zertifizierung: Einsparung von jährlich fünf Prozent des Energieverbrauchs. Ein Manko bei dem ganzen Thema Nachhaltigkeit im Tourismus bzw. in der Hotellerie ist, daß es noch keine Vereinheitlichung der Qualitätssiegel gibt, weder in Deutschland noch in Europa. Manche beruhen sogar nur auf Selbstauskunft. Das kann natürlich für Verwirrung sorgen. Eine weitere Schwachstelle ist sicher auch die Ausbildung bzw. Sensibilisierung der Mitarbeiter zu umweltbewußtem Verhalten im Betrieb und zum Gast hin.
Nh: Die Gurus unserer Zeit sagen, Wahrhaftigkeit sei im Umgang wichtig. Das wird dann zum Thema, wenn Zusagen nicht eingehalten werden können, z.B. von touristischen Dienstleistern. Halten Sie es für möglich, daß Werbeaussage und Wirklichkeit deckungsgleich werden können?
Michael Altewischer: Glaubwürdigkeit ist in der Wellness-Hotellerie sehr wichtig. Der Inhaber und die Führungscrew sollten eine persönliche Glaubwürdigkeit sowohl gegenüber der Belegschaft, als auch gegenüber den Gästen besitzen. Persönlichkeit, Individualität, Herzlichkeit – das sind die Themen von heute. Trotzdem ist eine touristische Dienstleistung immer personen- und produktabhängig und einem kontinuierlichem Wandel ausgesetzt. Tourismus wird von Menschen für Menschen gemacht und somit ist die 100prozentige Wahrhaftigkeit ein hohes Ziel, ist aber - auf Grund der genannten Komponenten - auch immer von der Tagesform abhängig. Wenn alles stimmt, können Werbeaussage und erlebte Wirklichkeit sehr wohl deckungsgleich sein. (Wenn sich aber bei einem Hotel auf der Alm der Gast z.B. über den Geruch der Landluft oder die Mücken beschwert, dann liegt das sicher nicht an einer falschen Werbeaussage.)
NFh: Sie haben ja das ganze Spektrum der nennenswerten Wellnesshotels in Europa im Auge. Gibt es Unterschiede in den Bedürfnissen? Geht ein Norddeutscher mit anderen Erwartungen in ein Wellnesswochenende als ein Schweizer?
Michael Altewischer: Die Erwartungen an einen Wellnessaufenthalt sind unabhängig vom Ort oder der Nation sehr ähnlich bzw. deckungsgleich. Wellness für sich genommen ist nur individuell vermittelbar. Je nach Nationalität ist der Gast historisch bedingt an unterschiedliche Formen des „Ad Aqua“ gewöhnt: Ausgehend von der römischen Thermen-Kultur ist bei vielen das Thema „Quelle, Therme“ wichtig, in Deutschland gibt es die Tradition der Sommerfrische und der Kneipp-Kultur, darüber hinaus sind z.B. auch Thalasso oder Hamam sehr beliebt. Dennoch liegt man bei den Erwartungen an Gesundheitsvorsorge und Gemeinschaft nicht auseinander, auch hier fand ja eine Art „Globalisierung“ statt.
NFh: Für Menschen unserer Zeit sind Grenzen praktisch ohne Bedeutung geworden, (jedenfalls wenn sie sich nicht in unwirtliche Gegenden begeben). Sie, Herr Altewischer, haben in den vergangen Jahren die Internationalität der Kooperation vorangetrieben. Wo liegt im Augenblick der Schwerpunkt der Aktivitäten?
Michael Altewischer: Unser Schwerpunkt ist derzeit Future Wellness: Wir haben eine Entwicklungsabteilung gegründet und schauen darauf, wie sich Wellness in der Zukunft entwickelt. Dafür erarbeiten wir neue Konzepte und Ideen. Schaut man sich zum Beispiel das in den USA bereits etablierte Thema Corporate Health an. Solche Themenfelder greifen wir auf und machen unsere Kooperationspartner fit für die Zukunft. Gerade vor Hintergrund des Gesundheitsmarktes, der demographischen Entwicklung und des „War of talents“ wird hier einiges in den nächsten Jahren passieren.
Nfh: Ziel und Zweck der Hotelkooperation W-H-D und W-H-I ist es, für die – in der Regel Privathoteliers – nützlich zu sein. Was steht z.Zt. auf der Agenda, den Nutzen für die Mitgliedschaft zu mehren?
Michael Altewischer: Inhabergeführte Hotels können - wie oben angeführt - auf unseren Ideenpool der Future Wellness zurückgreifen. Zudem stehen dieses Jahr die Themen: Social-Media (Blog, Facebook, Twitter), ein eigenes Mobile-App und Web-App sowie Suchmaschinenoptimierung zusätzlich zu den gesamten PR- und Marketingmaßnahmen an. Darüber hinaus entwickeln wir betrieblich umsetzbare Themen, die sich in allen Marketingmaßnahmen widerspiegeln und so für Umsatz sorgen. – Unser Motto für unsere Partner: Alles können aber nichts müssen.




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