Tierwohl kontra Massentierhaltung

Diese Schweine haben anderen Artgenossen einiges voraus. Foto: wasseradernsuche.at

Wer Geflügelfleisch kauft, soll erkennen können, ob es nach den Standards der Initiative Tierwohl (ITW) erzeugt wurde. Voraussichtlich ab April 2018 könne unbehandeltes Geflügelfleisch aus Betrieben, die an der Initiative teilnehmen, mit deren Logo gekennzeichnet werden, kündigte ITW-Geschäftsführer Dr.Alexander Hinrichs an

Bislang wurde das Fleisch aus der Produktion von teilnehmenden Höfen nicht gesondert gekennzeichnet. Hinrichs wies darauf hin, daß die Zahl der Geflügelhalter, die an der Initiative Tierwohl teilnähmen, voraussichtlich stark steigen werde. Er meint, im Zeitraum 2018 bis 2020 könnten sich rund 70% des Geflügels in Deutschland so produziert werden. Hinrichs rechnet mit 510 Mill. Puten sowie Hähnchen, die von 1900 Betrieben stammen.

Bei Schweinen sieht er die Zukunft nicht so rosig.

Bei Schweinen werde sich der Anteil der Tiere, die von Verbesserungen profitierten, in 2018 ebenfalls verdoppeln. Er geht davon aus, daß dann 23% der Betriebe nach den Vorgaben wirtschaften. Das wären 26,4 Mill. Schweine in knapp 4 200 Betrieben. Diese verhältnismäßig kleine Zahl verursacht dann auch den allgemeinen Hinweise auf Packungen oder an Ladenregalen: „Diese Information bedeutet nicht, daß die erworbenen Produkte bereits vollständig aus teilnehmenden Betrieben der Initiative stammen.“

Wie schwer sich die Massentierhaltung damit tut, den Tieren ein erträgliches Leben zu ermöglichen, wird durch eine andere Meldung dokumentiert: In Niedersachsen sind nicht einmal 1,5% der infrage kommenden Betriebe der Möglichkeit gefolgt, sich eine „Ringelschwanzprämie“ zu sichern. Das heißt, daß fast alle Mastschweine in Niedersachsen weiterhin von Verletzungen durch Schwanzbisse betroffen oder gefährdet sind. Sinn und Zweck der Initiative war, daß mindestens 70 % der Tiere des angemeldeten Bestandes ohne Bißverletzungen bleiben.

Laut den Zahlen des Landwirtschaftsministeriums in Hannover flossen im vergangenen Jahr für landesweit 59 200 Mastschweine Fördermittel. Für die bevorstehende Auszahlungsrunde sind gut 200 000 Tiere angemeldet, immer noch verschwindend wenig. Dabei wäre der Kunde durchaus bereit, artgerechte Aufzucht und Haltung zu honorieren. Aus einem in Berlin vorgestellten Ernährungsreport 2018 geht hervor, daß 47% der Bundesbürger auf jeden Fall und 43% eher bereit wären, mehr Geld für Fleisch mit einem staatlichen Tierwohl-Label auszugeben.

Basis war eine forsa-Umfrage im Auftrag des BMEL. Gefragt nach ihren persönlichen Erwartungen an die Landwirtschaft nannten 66% auf Platz eins „das Wohl der Tiere“, das damit noch vor der Qualität der Produkte, der Entlohnung der Mitarbeiter und umweltschonenden Produktionsweisen lag. Rund 79% der Befragten befürworten ein staatliches Tierwohllabel; 90% wären bereit, einen höheren Preis für Lebensmittel zu zahlen, wenn die Tiere besser gehalten würden als es das geltende Recht vorschreibt. Nach konkreten Zahlen gefragt, gab jeder Zweite an, daß er für ein Kilogramm Fleisch, das normalerweise € 10,- kostet einen Aufpreis von bis zu € 5,- akzeptieren würde.

Wie brisant das Thema ist verdeutlicht eine Vorlage beim Bundesverfassungsgericht. Es soll prüfen, ob die Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung verfasungskonform ist.




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