In Wien bedient Hilton ein breites Spektrum

Ansicht des Hilton Vienna Danube

Hilton in Wien ist auch ein wenig Stadtgeschichte. Anlaß, sich darum zu kümmern, ist die Wiederauferstehung des Hilton Vienna Danube. Es wurde 2002 bei der Übernahme der Scandic Hotels ein Haus dieser Marke, führte seitdem ein Dasein am Rand, bis sich jemand der Sache annahm. Jetzt wurde eine umfassende Renovierungs- und Revitalisierungsphase abgeschlossen, und es ist eigentlich das attraktivste Hilton entstanden von den dreien, die es in Wien gibt.

Auch ohne die Neuausrichtung der Innenarchitektur und des Interieurs hat das Hotel (Handelskai 269) etwas zu bieten. Es hat 367 Zimmer und keines ist kleiner als 40 qm. Ungefähr die Hälfte von ihnen erlauben einen Blick auf die Donau und die bewaldete Donauinsel. Die bewirtschaftete Terrasse endet quasi an den Donauwellen, deren Plätschern in den flußseitigen Zimmern bei geöffnetem Fenster zu hören ist. Das Gebäude stammt von 1013 und wurde damals als Kornspeicher errichtet, entsprechend stabil. Erweitert wurde es jetzt um einen 300 Personen fassenden Ballsaal, an den sich ein großflächiger Parkplatz anschließt, der derzeit kostenfrei zu nutzen ist.

Chef im Haus ist Stephan Reiter, Hotelmanager Schweizer Nationalität, wo er für die Firma wirkte, bevor er vor sieben Jahren in Wien an Bord kam. Er hat die Renovierungsphase begleitet, welche sich die Eigentümer, die Immofinanz, € 17 Mill. haben kosten lassen. Reiter lobt den großzügigen Umgang mit den Vertretern der Eigentümer, die normalerweise nicht in Hotels, sondern in andere gewerbliche Immobilien investieren. Im Gespräch mit NFh läßt er erkennen, wie anstrengend die Phase trotzdem war und denkt, daß er die Früchte nun ernten kann, die einem Hotel, das rundum erneuert wurde, normalerweise zufallen.

Daß das Hilton Danube nur eigentlich das attraktivste ist, liegt am Hilton Vienna Stadtpark. Bei dessen Eröffnung 1975 war es das größte Hilton Europas und heute ist es noch immer das größte Österreichs. Es war damals das zweite internationale Hotel der Stadt (nach dem InterConti) mit 620 Zimmern, fünf Restaurants, und Werner Matt wurde Küchendirektor mit einer Brigade von 75 Köchen. Die Rôtisserie Prinz Eugen, das Gourmetrestaurant unter den fünf, erhielt schnell die verdienten Auszeichnungen und wurde bald als das beste von Hilton International benannt. Es war die Zeit als die Hotelgesellschaft zur Transworld Corp. gehörte und Geld keine Rolle zu spielen schien.
Heute ist das Vienna Stadtpark eine perfekte Mice-Maschine. Das Haus, das mehrheitlich der österreichischen Raiffeisenbank gehört, wurde 2003 für mehr als ein Jahr geschlossen, um es grundsätzlich zu überholen. Die erste Etage wurde komplett für Tagungen und Konferenzen ausgerichtet und erhielt ein großzügiges Business Center. Von den Restaurants blieb nur eins und die Bar übrig, und Zimmer hat das Hotel heute 572. Die Atmosphäre in der Lobby ist so wie man sie von Hiltons in London oder Paris kennt.

Das dritte Hilton in Wien ist das Plaza am Schottenring. Der Grundstein dafür wurde im Dezember 1983 gelegt, und fünf Jahre später eröffnete das Haus, dessen Fassade mit Marmor verkleidet ist als Designer Hotel mit einer Pracht, wie sie den Ringstraßen-Hotels in Wien zu eigen ist. Als deren Konkurrenz war es auch gedacht. Es sollte dem Imperial, dem Grand Hotel und dem Bristol paroli bieten, was auch gelang, nicht zuletzt, weil Werner Matt nach einem Ausflug zu der Gruppe, der damals das Imperial gehörte, zu Hilton zurückkehrte und Küchenchef im Plaza wurde. Hier zählte seine Küchenbrigade 60 Köpfe.

Von der Pracht ist heute noch einiges vorhanden. Die Zimmer und Suiten sind mit antiken Möbeln ausgestattet, und an den Wänden hängen Originale bekannter Künstler. Doch der Eindruck, man sollte das Haus bald grundlegend erneuern, ist nicht von der Hand zu weisen. Wie es heißt, ist man darüber mit dem Eigentümer der Immobilie, Karl Wlascheck, im Gespräch.

Unabhängig davon ist im Plaza die neue Zeit schon angebrochen. Hier gibt es etwas, was für ein neues Food & Beverage Konzept stehen könnte. Frische, regionale und saisonale Küche. Das Restaurant, wo sie serviert wird, heißt Nasch, wohl in Anlehnung an den weltberühmten Wiener Naschmarkt. Es setzt neue Akzente. Die Inspiration hierzu stammt aus Spanien und wurde in „Austrian Tapas" übersetzt. Hochwertige regionale Zutaten und österreichische Spitzenweine runden das kulinarische Erlebnis ab. Von 9 bis 24 Uhr gibt eine Auswahl kleiner Häppchen, mit denen man sich auch ein Menü zusammenstellen und nach Herzenslust durch die österreichische Küche durchkosten kann. Die täglich wechselnden Kreationen bestehen ausschließlich aus Zutaten österreichischer Produzenten. Dazu werden hiesige Spitzenweine angeboten. Weine und Delikatessen werden außerdem in großzügigen Schauvitrinen präsentiert, und es gibt sie auch zum Mitnehmen.
Mag sein, daß dies Pate steht für Hilton-Restaurants in anderen großen Städten. Das ist zwar keine große Küche, atmet aber etwas vom Zeitgeist. Und Food & Beverage ist für die Hotellerie ein wichtiger Umsatzträger. Diese Art könnte sogar zum Ertrag beitragen.

Die Performance der wiedervereinigen Hiltons war für Blackstone sicher ausschlaggebend, als man sich in New York für den Kauf der Gruppe entschied, der 2007 abgeschlossen wurde. Die freien Aktionäre erhielten $ 47,50 je Stück Darin enthalten ein prächtiges Aufgeld auf den letzten Börsenkurs. Seitdem werden keine Geschäftsberichte mehr von Hilton veröffentlicht, und auch die lokal Verantwortlichen zeigen sich ziemlich zugeknöpft, wenn man sich diesem Bereich nähert. Das mag auch daran liegen, daß der Wettbewerbsdruck in der Wiener Hotellerie enorm ist, besonders im Fünf-Sterne-Bereich. Hier sind demnächst zwei neue Wettbewerber am Markt. Kempinski eröffnet noch in diesem Jahr und Hyatt (geht in die Immobilie, wo eigentlich ein Shangri-La entstehen sollte) Anfang 2013. Und die Grand Hotels am Anfang der Ringstraße kommen mit neuen Eigentümern zurück (siehe auch NFh Nr.06/12).




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