Könnte es eine große deutsche Hotelgesellschaft geben?

Dipl.-Kfm. Otto Lindner, Chef der Lindner HoteIs & Resorts, hat sich in einem ausführlichen Interview zur Situation der Hotellerie in Deutschland, seiner Gruppe und den Entwicklungsmöglichkeiten geäußert. Wir bringen vorweg einen kleinen Ausschnitt davon. Das ganze Gespräch erscheint in der Ausgabe 05/14 am 11.04.14 (Exemplar kostenlos beziehen mit hotelintern@t-online.de).

NFh: Der nächste Themenkreis, den wir gerne erörtetern möchten, ist die Möglichkeit der Konzentration in der deutschen Hotellerie. Sehen Sie eine Möglichkeit, Gruppen zu vereinen? Oder eine Gruppe von Hotels oder Hotelgesellschaften, deutsche?

Otto Lindner: In Deutschland aus meiner Sicht zurzeit nicht, weil es da für niemanden im Augenblick Sinn machen würde hier sich zu vereinigen. Aber es ist immer international eine Option darüber nachzudenken, ob man jetzt – ob jeder für sich die Internationalisierung betreibt oder ob man irgendwann mal zwei auf Augenhöhe zusammenschmeißt. Das interessante ist, beim Namen scheitert das Ding schon mal, weil keiner von beiden bereit ist, den Namen abzugeben. Das ist in anderen Lebensbereichen auch so, Bündnis 90/Die Grünen oder Die Linke früher WASG oder ThyssenKrupp. Wir sehen viele, wo dieser Merger, wie es neudeutsch heißt, stattgefunden hat und dann die Kulturen nicht zusammenpassen.

NFh: Wir haben es erlebt, als Herr Müller die Astron-Hotels verkauft hat an NH, so richtig funktioniert hat das auch nicht.

Otto Lindner: Ich bewundere Herrn Müller ohne Einschränkungen. Was die Spanier dann durchlitten haben, ist nicht repräsentativ, da danach die Krise von 9/11 kam und alle zu kämpfen hatten.

NFh: Wir haben Ähnliches erlebt, als wir die Wende hatten und als die Interhotels zur Disposition standen. Maritim ist damals großherzig, wie der alte Herr Gomolla war, reingegangen und hat gesagt, wir machen das. Und ist eigentlich damit gescheitert.

Otto Lindner: Ich bin nicht in der Lage, das zu beurteilen, weil ich die Details nicht kenne, aber ich glaube, viele große Unternehmen und Mittelständler haben im Osten Federn gelassen.

NFh: Haben investiert und nicht das erreicht, was sie eigentlich erreichen wollten.

Otto Lindner: Einige haben gutes Geld verdient, aber viele nicht. Das gilt für uns auch, wir haben jetzt nach 19 Jahren – wir haben einen 20jährigen Pachtvertrag in Leipzig, der läuft jetzt aus, wir sind im 19. Jahr, ein Hotel zwischen Flughafen und Innenstadt. In Leutzsch. Schönes Haus. Nette Gegend. Aber wir haben auch da böse Federn gelassen. Wie übrigens viele, viele andere auch.

NFh: Der Osten ist ein Beispiel dafür, wie Leute aus Idealismus und aus Patriotismus zugegriffen haben …

Otto Lindner: Wir auch. Wir sind damals als erstes neu gebautes Viersterne-Hotel auf den Markt gegangen, und das erste Jahr war das Beste. Echt.

NFh: Das hängt damit zusammen, daß die Preise verfallen sind, das war ja das Problem. Als man das Grand Hotel in Berlin übernommen hat, dachte man, daß weiterhin 400 Mark Zimmerpreis zu erzielen sei. So wie das eben in der DDR üblich war. Und das war natürlich eine totale Fehleinschätzung.

Otto Lindner: Schauen Sie sich den Markt in Dresden an. Da entsteht ein tolles Hotel nach dem anderen und die Durchschnitts-Preise sind um die 50 Euro.

NFh: Damit kann man natürlich nicht leben.

Otto Lindner: Und dann ist der Preisabstand zu den etablierten Häusern so gering, daß sich irgend jemand dann zum Schluß fragt – für die 20 Euro mehr gönne ich mir doch ein Viersterne-Hotel.

NFh. Okay, wir danken für das Gespräch.




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