Ivona Meissner: Auf zu neuen Ufern

Best Western hat sich in Europa umsortiert. Die bisherige Organisation Best Western Central Europe, zu der die Länder Österreich, Tschechische und Slowakische Republik, Kroatien, Slowenien, Serbien, Montenegro und Mazedonien gehörten, geht unter das Dach in Eschborn. Das war Anlaß für ein Gespräch mit Ivona Meissner im Best Western Premier Harmonie* in Wien.

NFh: Sie sind die Geschäftsführerin der bisherigen Best Western Central Europe und für 67 Hotels in der Region zuständig, die bei Ihnen organisiert sind. Können Sie ein wenig zu Ihrer Person und zu dem sagen, was bevorsteht?

Ivona Meissner: Es stehen einige organisatorische Veränderungen bevor. Wir beschäftigen uns mit diesem Thema ja schon seit längerer Zeit. Für uns und unsere Hotelpartner ist wichtig zu wissen, wohin die Reise geht, welche Richtung schlagen wir ein - aber zunächst zu mir. Ich habe als Member Service Manager vor acht Jahren bei Best Western Central Europe angefangen. Komme aus der Hotellerie und habe zuvor in verschiedenen Positionen in der Vier-Sterne- Hotellerie gearbeitet. Begonnen hat meine Kariere in der Tschechoslowakei, wo ich die Hotelfachschule und diverse Weiterbildungen absolvierte. Diese vielfältige Branche ist meine Welt, es macht mir viel Spaß, mit Menschen zu arbeiten und mit verschiedenen Kulturen umzugehen.

NFh: Ich kann mich noch an eine Begegnung mit einem intelligenten Mann erinnern, der war Chef des Fremdenverkehrsamts Mainz – so hieß das damals. Der prägte den Satz: Der Fremdenverkehr befruchtet jedes Gewerbe.

Ivona Meissner: Für mich war von Anfang an klar, daß die Hotellerie meines ist, da möchte ich mich weiterentwickeln und vor allem, da kann ich mitgestalten. Nach dem Umzug nach Österreich und einer Babypause ging es für mich in der österreichischen Hotellerie in verschiedenen Positionen weiter, bevor ich vor acht Jahren zu Best Western wechselte. Damals hat das Wiener Büro jemanden mit Ostsprachen und Hotelerfahrung gesucht, weil von Wien aus die Hotelpartner auch in Osteuropa betreut wurden. Das war, bzw. ist, mein Asset, Sprach- und Mentalitäten-Kenntnisse sowie das langjährige Know-how der Hotellerie.

NFh: Das ist das A&O. Wir wachsen zusammen und sind uns doch noch ein wenig fremd, und das wird sicher ein langer Prozeß, bis das sich so vereinheitlicht hat, daß wir uns als Europäer fühlen.

Ivona Meissner: Es wird immer Menschen geben, die etwas länger benötigen, um die Chancen, Vorteile und Möglichkeiten eines gemeinsamen Miteinanders zu erkennen. In meiner Position als Member Service Manager war ich für die Betreuung unserer Hotelpartner zuständig. Hauptsächlich in Bereichen wie Revenue-Management, Vermarktung und Schulungen. Unter anderem habe ich damals auch das I Care-Programm mitgestaltet, das sich mit der Gästezufriedenheit beschäftigt und immer mehr an Bedeutung gewinnt. 2012 wurde ich Prokuristin und im Jänner 2013 Geschäftsführerin der Best Western Hotelreservierungs GmbH.

NFh: Kommen wir mal zu der historischen Entwicklung von Best Western in Österreich. Wie hat sich das eigentlich kristallisiert? Können Sie erzählen, wie das gewesen ist?

Ivona Meissner: 1981 wurde die Best Western Österreich Landesorganisation gegründet. Damals war die Prämisse, ausländische Gäste nach Österreich zu bringen. Da es noch keine Portale gegeben hat, war das damalige Best Western Reservierungssystem für privatgeführte und eigenständige Hoteliers sehr lukrativ und vorteilhaft. Nach erfolgreicher Einführung der Best Western Marke in Österreich begann die Expansion in die benachbarten Länder. Da Wien schon immer so etwas wie die Drehscheibe zu den osteuropäischen Ländern war, machte es Sinn. Das erste Hotel in der Region konnte 1993 in Ungarn gewonnen werden. Sukzessive hat sich das Portefeuille um Tschechien, Slowakei, Slowenien und Kroatien erweitert. Derzeit betreuen wir von Wien aus neun Länder bis hinunter nach Mazedonien. Vor Kurzem kam dazu auch ein Hotelprojekt im Kosovo, in der Hauptstadt Pristina. So ist in den fast 35 Jahren das Hotelportefeuille schön gewachsen. Im Moment sind es 67 Hotels.

NFh: Das ist ja auch eine schöne Zahl.

Ivona Meissner: Ja, das stimmt. Wir sind sehr stolz darauf, und es macht uns viel Spaß mit den Hoteliers der verschiedenen Mentalitäten zu arbeiten und in den diversen Sprachen zu kommunizieren. Und wir respektieren und betreuen sie auch entsprechend.

NFh: Und sie in der Wertschätzung bestärken.

Ivona Meissner: Unsere Hoteliers sind sehr stolz zur Marke Best Western zu gehören und sie mit zu entwickeln. Sie sind stets bemüht, die Vorgaben zu erfüllen, die aus der Marketingorganisation erwachsen.

NFh: Jetzt verlieren Sie einige Länder an Griechenland, habe ich gehört.

Ivona Meissner: Die Länder Serbien, Montenegro, Kosovo und später auch Bosnien-Herzegowina werden Griechenland angeschlossen. Warum? Weil wir einfach denken, daß sie von dort aus besser betreut werden können. Außerdem haben diese Länder auch im wirtschaftlichen Bereich viele Synergien und Berührungspunkte. Wenn man zum Beispiel Montenegro nimmt. Das ist ein Land, in dem viele Resorts entstehen, und Griechenland als Urlaubsland hat davon bereits viele. So macht das Sinn, sie gemeinsam zu vermarkten und das stärkt auch die Möglichkeiten der Länderorganisation. Wir sind Dienstleister und unterstützen unsere Hoteliers. Wir stärken sie, damit sie sich auf dem dichten Wettbewerbsmarkt besser positionieren können und erfolgreich sind. Hoteliers erleben jeden Tag neue Herausforderungen, z.B. im digitalen oder medialen Bereich, die wir ihnen abnehmen können, damit sie sich auf das operative Geschäft konzentrieren können. Denn der persönliche Kontakt mit dem Gast ist durch nichts zu ersetzen, damit sie ihre Kunden so zufriedenstellen, daß sie wiederkommen.

Natürlich haben wir diese neue Länderaufteilung und damit verbundene Änderungen, die dazu führen, daß ab 1. Jänner 2016 das Headoffice der Best Western Hotels Central Europe in Eschborn sein wird, mit unseren Hoteliers diskutiert. Wir haben ihre Zustimmung bekommen, und es hat sich herausgestellt, daß es egal ist, ob ein Hotelier in Eschborn, Wien oder Bern anruft, wichtig ist, welche Leistungen er bekommt. Und es ist einsichtig, daß wir nun kostengünstiger arbeiten werden. Aufgrund des Zusammenschlusses werden Mittel frei, die wir in Marketing, eCommerce und auch in den anderen Bereichen investieren können, die neue Kunden aus dem Firmen- und Leisure-Segmenten bringen. Wir haben ja eine Vielzahl von Hotels, die sehr attraktiv sind, die wir zukünftig besser clustern und grenzüberschreitend stärker vermarkten können.

NFh: Vor allem, die einen Standard haben. Man will ein individuelles Haus, aber mit Niveau, wenn man unterwegs ist, und wenn man das nicht hat, ist man unzufrieden. Und Unzufriedenheit ist das größte Unglück auf Reisen. So helfen Sie dann, den Menschen auf Reisen glücklich zu sein.

Ivona Meissner: Richtig. (lacht) Und wir machen aus denen unsere Botschafter, die ihre schönen Erlebnisse mit anderen teilen und unseren Hoteliers neue Gäste bringen.

NFh: Best Western hat eine neue Marke kreiert? Vib. Egal ob man es deutsch, englisch oder französisch ausdrückt, es hört sich gut an. Hat Sie diese Initiative überrascht?

Ivona Meissner: Nein. Wir haben unsere gut eingeführten Basic-, Plus- und Premier-Hotels und kommen jetzt mit etwas Neuem. Die Marke Vib ist ein Lifestyle-Hotelkonzept, das auf urbanen Stil, Technologie und Nachhaltigkeit fokussiert ist und moderne Reisende anspricht. Wenn man an die Zukunft denkt und darüber, was kommt alles noch auf uns zu? Dann sind wir viel besser aufgestellt, wenn wir auch für diese Kundschaft etwas haben. Klar, es ist was ganz anderes. Ein komplett anderer Ansatz, eine komplett andere Zielgruppe bei den Hotels, aber auch bei den Gästen dieser Häuser. Und auch bei der Marke. Meiner Meinung nach ergibt sich die Stärke einer Hotelgruppe aus der Vielfalt. Es ist wichtig, daß man nicht nur von einer Schicht abhängig ist und vor allem die Produkte unseren Gästeanforderungen und Wünschen entsprechend weiterentwickelt. 2016 werden die ersten Häuser in USA und Asien entstehen.

NFh: Wenn man die Genehmigung kriegt...

Ivona Meissner: Ja, und in Europa wird es dann 2017 sein.

NFh: Man braucht für Vib natürlich Investoren, bei Best Western Hotels brauchte man Hoteliers, die von dem Marketing-Konzept überzeugt waren, jetzt braucht es Grundstücke und Kapital.

Ivona Meissner: Ja, das ist Neuland. Aber die kurze Bauzeit von nur 12 Monaten, die niedrigen Investitions- und Betriebskosten sind für Entwickler und Betreiber sehr attraktiv.

NFh: Was ist Ihre Aufgabe dabei, also Vib für Best Western Österreich?

Ivona Meissner: Derzeit arbeiten wir in Europa an einem Konzept. Wir evaluieren, welche Standorte in Frage kommen, wie wir an Investoren herankommen bzw. welche Gruppe könnte Interesse haben? Wir brauchen nämlich auch Betreiber. Erst wenn wir das alles haben, können wir hier durchstarten. Wenn ich speziell von Österreich spreche, könnte das z.B. der neue Wiener Hauptbahnhof sein. Ein passender Standort wäre auch der Airport oder Industriezentren. Ich sehe aber auch Potential in den Nachbarländern, hier gibt es diese neuen Lifestyle Marken noch kaum. Gut kann ich mir z.B. die Städte Zagreb, Ljubljana oder Prag vorstellen. Weil ich nun seit vielen Jahren in der CEE Region tätig und gut vernetzt bin, habe ich die Möglichkeit, potentielle Partner sowie Investoren und Betreiber zu finden.

NFh: Sie konkurrieren da mit anderen. Marriott hat z.B. „moxy“.

Ivona Meissner: Ja, deshalb sage ich, daß die Vorbereitung sehr wichtig ist, bevor es zum Launch in Europa kommt.

NFh: Das muß so sein, daß andere Leute hingehen und sagen: „Schau Dir das mal an, das könnte etwas für uns sein.“

Ivona Meissner: Ich war kürzlich in Bangkok, da hatten wir unsere Best Western International Frühjahrskonferenz. Unter anderem wurde uns das Konzept eines Vib für Seoul gezeigt, das demnächst gebaut wird. Weitere Projekte in der Pipeline sind in Los Angeles, New York, Miami und Chicago. Das hilft dann, wenn bereits zwei, drei Hotelobjekte fertiggestellt sind. Das ist alles eine spannende Sache, und ich freue mich schon sehr darauf hier mitzuwirken. Ich erwarte mir sehr viel auch von unserer neuen Organisation, die viel mehr Power haben wird, sich lokal und regional besser zu positionieren und zu wachsen.

NFh: Frau Meissner, wir danken Ihnen für das Gespräch.

* Das Best Western Premier Harmonie gehört wie 4 weitere Hotels (darunter ein zweites Best Western in Prag) der Familie Wimmer. Direktorin in der Harmoniegasse, im trendigen Servitenviertel, ist Sonja Wimmer, die Tochter des Patrons.




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