Retter in Sicht?

Die Nachrichtenagentur Reuters hat erfahren, daß ein US-Fonds mit Namen KPS Capital die Mutter von Rosenthal, Waterford Wedgwood plc, in Teilen übernehmen will. Inwieweit das Unternehmen in Selb davon profitieren könnte, das nach der Insolvenz des irisch-britischen Unternehmens ebenfalls Zahlungsunfähigkeit anmeldete, ist nicht zu eruieren. Dem Vorstand von Rosenthal war es nicht gelungen, die vorher schon angespannte Liquidität aufrecht zu erhalten. Waterford Wedgwood hat sich 1998 signifikant an der Rosenthal AG beteiligt und hält jetzt 90,7 % der Anteile. Die AG beschäftigte am 30.09.08 1 585 Mitarbeiter, davon 1 387 im Inland. Das Unternehmen setzte im Geschäftsjahr 2008 (Stichtag 30.03.08) € 163 Mill um und fuhr einen Verlust in Höhe von € 23 Mill. ein. Für das am 30.09.08 zuende gegangene Halbjahr werden erneut Verluste in Höhe von € 10 Mill ausgewiesen.
Das Eigenkapital ist negativ. Die in den Büchern ausgewiesene Schulden belaufen sich auf € 111 Mill., die Vermögenswerte werden mit € 32 Mill angegeben, davon immatrielle - wahrscheinlich die Rechte an den Marken - in Höhe von € 2,8 Mill. Selbst wenn man die Firma jetzt verkaufen könnte, ist nicht ersichtlich, daß wesentliche Barmittel in die illiquide Kasse fließen könnten.
Die Rosenthal AG war ein Vorzeigeunternehmen in den Jahren 1950-90. Das war die Zeit, als Philip Rosenthal, ein Sohn des Firmengründers, in Selb das Sagen hatte. Er war für die SPD im Bundestag und beteiligte die Belegschaft am Unternehmen. Er war mit Andy Warhol bekannt und ließ Friedensreich Hundertwasser die Fassade der Fabrik als „Ökologie-Kunst-Schöpfung“ gestalten (1981). Ein Jahr zuvor gelingt Marcello Morandini mit „Onda costrutta“ in den limitierten Kunstreihen ein Meisterwerk. In der gehobenen Wohnwelt der Deutschen gehörte Rosenthal Porzellan zum guten Ton, ebenso in der Spitzengastronomie und -hotellerie. 1996 begann eine Kooperation mit Christofle. Der Rosenthal Hotel & Restaurant Service nahm zum Porzellan- und Glassortiment die Bestecke, das Tafelsilber und Tischaccessoires sowie Bar- und Cocktailutensilien von Christofle mit zur gehobenen Kundschaft.
1997 erfolgt der Einstieg von Waterford Wedgwood bei Rosenthal. Die britisch-irische Unternehmensgruppe beteiligt sich zunächst mit 9,5% am Selber Porzellanhersteller. Ermöglicht wird dies durch eine Kapitalerhöhung, bei der die damaligen Aktionäre von ihrem Bezugsrecht keinen Gebrauch machen. Das bringt Rosenthal ca. DM 7,8 Mill. Kapitalzufluß. An einer weiteren Kapitalerhöhung im Jahresverlauf, die ca. DM 38 Mill. brachte, beteiligten sich die Altaktionäre, u.a. die Bayerische Hyp und die Schörghuber-Gruppe, auch nicht. Die komplette Übernahme begann, die weitere DM 100 Mill erfordert haben dürfte.
Die Verflechtung sollte die Marktposition stärken. Rosenthal Hotel & Restaurant wurden von der Obergesellschaft das Marketing und der Vertrieb der Luxusmarke Wedgwood Hotel übertragen. Selb erweiterte so die Palette hochqualitiver und innovativer Artikel rund um den gedeckten Tisch, die den Bedürfnissen der Top-Hotellerie und Erlebnisgastronomie gerecht werden sollte. Die aus feinstem Bone China gefertigte Wedgwood-Kollektion war auf sehr kaufkräftige Zielgruppen und Marktsegmente ausgerichtet.
Die Rendite damit zu trimmen, ist offensichtlich nicht gelungen, wie der oben zitierte Geschäftsbericht ausweist. Doch daß Rosenthal verschwinden könnte, daran mag niemand glauben, handelt es sich dabei doch neben einer Porzellanfabrik auch um ein Kulturgut. Inzwischen ist die bayerische Staatsregierrung eingeschaltet und um eine Liqiditätshilfe angegangen worden.
In Deutschland hergestelltes Porzellan ist auf den Märkten auch nicht chancenlos, was die ebenfalls in Selb ansässige BHS tabletop AG beweist. In ihr sind die Marken Bauscher, Tafelstern und Schönwald vereinigt. Das Unternehmen setzte zuletzt ca. € 95 Mill. p.a. um, weist einen Vorsteuergewinn in Höhe von ca. 3 Mill. aus und zahlt Dividende. Die Firma bezeichnet sich selbst als „Weltmarktführer für Profi-Porzellan“




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