Schisma bei

den Eurotoques. Die Vereinigung, der in Deutschland mehr als 450 Köche angehören und die sich der natürlichen Kulinarik verbunden fühlen, ist gespalten. Ernst-Ulrich Schassberger, der die Bewegung in Deutschland aufgebaut hat, soll ausgeschaltet werden. Er paßt nicht mehr ins Konzept. Vordergründig geht es um Vereinsrecht und nicht abgeführte Gelder, aber der wahre Grund ist wohl, daß er sich unbeliebt gemacht hat.
Die Bewegung der Eurotoques geht auf Jaques Delors zurück, Chef der EU-Kommission von 1985 bis 1995, Träger des Karlspeises (1992) und Freund der gehobenen Eßkultur. Er und Paul Bocuse gelten als die Erfinder der Eurotoques (Toque ist französisch und bezeichnet die hohe Mütze der Köche). Über Eckart Witzigmann kam die Bewegung nach Deutschland und sein Freund Schassberger nahm sich ihrer an und führte sie zu erstaunlicher Blüte.
Geschmack kann man lernen, sagt er und rief z.B. eine Stiftung ins Leben, die Gaumengenüsse lehren und natürliche Lebensqualität fördern soll. Das langfristige Ziel ist die Entwicklung eines Bewußtseins für natürliche Lebensmittel und Produkte, die Pflege heimischer Erzeugnisse und die damit verbundene Bewahrung der Natur und Kulturlandschaft. Dabei lag sein Augenmerk auf dem jugendlichen Nachwuchs, deren
Eltern nicht mehr kochen. „Wie können Kinder daher gut oder schlecht auf dem Teller unterscheiden lernen?“ meinte er Die Stiftung kämpft gegen Unwissen bei der Ernährung. Regierungspräsident Udo Andriof, oberster Aufseher von 578 Stiftungen im Regierungsbezirk Stuttgart, überreichte die Stiftungs-Urkunde 2001.
Und weil Lebensart noch etwas mehr ist, förderte die Stiftung auch Lifestyle-Crash-Kurse. die jungen Menschen Benehmen und Höflichkeit näher bringen und nicht nur ihren kulinarischen Geschmack schulen.
Auf der anderen Seite gründete er das Institute of Culinary Arts,
eine Kochakademie in Achern. Zu den Gründungsmitgliedern gehörten u.a. der Verbands Deutscher Prädikatsweingüter (VDP) und die Apollinaris AG.
Zu dieser Zeit war Schassberger noch mit Paul Bocuse befreundet unter dessen Schirmherrschaft alle zwei Jahr der Bocuse d’Or ausgetragen wird. Eine Trophäe, die leider nie nach Deutschland entführt werden konnte, wie sehr sich der Eurotoques-Präsident auch darum bemühte.
Seit 1987 gibt es den renommierten Kochwettbewerb. Die Wettbewerbsbedingungen beschreiben ein Reglement des Veranstalters Sepelcom in 13 Artikeln. Die Bemühungen der deutschen Meisterköche, in Lyon erfolgreich zu sein, waren bisher vergebens.
Und 2007 kam es zum Eklat. In diesem Jahr gewann den M. Fabrice Desvignes, der Chef der Küche des französischen Senats. Seine nach fünfeinhalb Stunden abgelieferten Fisch- und Fleischplatten sowie zwei Teller waren so perfekt, daß keine andere Wahl möglich war. Nach Meinung des für die deutschen Farben angetretenen Wahabi Nouri waren sie zu perfekt.
Aber Nouri brachte den Stein nicht ins Rollen. Ausgangspunkt des Eklats war ein offener Brief von Rasmus Kofoed an das Organisationskommitee des Bocuse d’Or, in welchem zwei Wochen nach dem Wettbewerb („well, after the temperature has cooled…“) auf Unregelmäßigkeiten hingewiesen wurde. Rasmus Kofoed, der zweite im Wettbewerb, zu Hause im dänischen Fredrksberg, zog sich insbesondere daran hoch, daß die deutschen Teilnehmer vom Organisationskommitee als „bad losers“ bezeichnet worden sind. "Was könnte der Vorteil für jemanden sein, der im Wettbewerb den 11. Platz belegt, jemanden falsch anzuschuldigen?", fragt Kofoed zu Recht.
Wahabi Nouri und sein Assistent haben am Tag des Wettbewerbs gesehen, daß zwischen 10.45 und 11 Uhr zwei schwarze Kisten in den Arbeitsraum von Fabrice Devignes getragen wurden. Kofoed sagt in seinem Brief, die Kisten wurden vom vormaligen französischen Bocuse d’Or-Gewinner, Mr. Adamsky, gesandt. Die Deutschen sprachen darüber in Lyon, mehr nicht, und legten auch keinen offiziellen Protest ein.
Die Wogen schlugen hoch. Dem offenen Brief von Kofoed folgte eine Erwiderung von Stéphan Rivière, dem F+B Manager des französischen Senats, der seinen Chefkoch im Schutz nahm und anbot, was Kofoed verlangte, daß Desvignes die Platten noch einmal macht, und Paul Bosuse selbst meldete sich zu Wort mit der Bemerkung, daß es keine Überraschung sei, daß es zu Spannungen im Wettbewerb kommt und verspricht die Sache in Zukunft besser zu organisieren.
Damals zog sich Schassberger von der Veranstaltung zurück, schloß die Paul Bocuse Akademie und schloß künftige Aktivitäten in dieser Richtung aus. Ein herber Schlag für die Bewegung, die natürlich nicht auf die deutsche Teilnahme verzichten will, schon allein der Sponsorengelder wegen nicht.
Angriffspunkte der Gegner Schassbergers ist die Oganisationsform. Er gründete 1994 eine GmbH, in welcher die deutschen, österreichischen und - neuerdings auch - ungarischen Aktivitäten abgewickelt werden. So lange die Chose lief, kümmerte sich darum niemand. Jetzt heißt es, Eurotoques können nur in einem gemeinnützigen Verein organisiert werden. Und der wurde gegründet und ihr Vorsitzender ist Wolfgang P. Menge aus dem oberfränkischen Creussen. Er ist die Speerspitze von Eurotoques International, die ein Büro in La Hulpe in der Nähe von Brüssel unterhält. Von dort soll auch das Geld kommen, das für eine Unterlassungsklage gegen Schassberger benötigt wird. Mit ihr wurde eine Münchner Kanzlei beauftragt, die # 5000,- Vorschuß braucht. Das Geld wurde beim „cher Daniel und lieben Fred“ angefordert.
Dreh- und Angelpunkt der Angelegenheit sind die Rechte an der Bild- und Wortmarke EUROTOQUES. Die haben die internationalen 1997 ausweislich CTM-Online angemeldet. Insofern geht eine Anmeldung von Schassberger vom 26.10.2007 auf nationaler Ebene bei der zuständigen Stelle in München wahrscheinlich ins Leere und ein Widerspruchsverfahren läuft hier.




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