Die Orbis Gruppe wird transformiert

.Sie wandelt sich von einem touristischen Konglomorat zu einem „service provider in hospitality business“, wie es Laurent Picheral, Präsident von Orbis S.A., in einem Brief an die Aktionäre ausdrückt.
In die Orbis S.A. hat sich Accor zügig eingekauft. Von einem Großaktionär mit 20% im Jahr 2000, als die Franzosen Anteile der aus Staatsbesitz entlassenen Gesellschaft übernahmen, über 45,48% Ende 2007 bis zu inzwischen 50,01% ging es stetig aufwärts, was auf Umsatz und Ertrag nicht immer zutraf.
Das polnische Unternehmen besteht heute aus zwei Gruppen, von denen die für Hotels etwa vier Fünftel zum Umsatz beiträgt, der Rest entfällt auf Transport, worunter man sich Busunternehmen, aber auch Reisebüros und Spielbanken vorstellen kann. In der Hotelgruppe setzte man 2009 PLN* 695 Mill. um, 10,14% weniger als 2008, im letzen Jahr vor der Wirtschaftskrise.
Im ersten halben Jahr des laufenden Geschäftsjahres (30.07) wurden PLN 328 Mill., 3,8% weniger als im ersten Halbjahr 2009 umgesetzt, aber es gelang, einen Nettogewinn in Höhe von PLN 2 Mill. auszuweisen, wo hingegen das erste Halbjahr 2009 rote Zahlen in Höhe von PLN 12 Mill. lieferte. Generiert wird dieses mit 62 Hotels in 28 polnischen Städten und in Vilnius. Davon sind 34 im Budgetbereich (Orbis, Etap und Ibis), 25 sind Mittelklasse (Mercure und Novotel) und 3 sind Sofitel. Sie befinden sich in Breslau (Wroclaw), Zoppot (Sopot) und in Warschau (Warszawa).
Das Sofitel Warsaw Victoria stammt von 1976, als am Platz Jozef Pilsudski (ein Marschall aus der glorreichen Zeit Polens) ein Hotelneubau hochgezogen wurde. Hier stand bis zum zweiten Weltkrieg das Hotel Kronenberg, das erste internationale Hotel der Stadt, das Anfang des vorigen Jahrhunderts entstand.
Als Accor 2000 nach Polen kam, übernahmen die Franzosen das Haus und machten ein Sofitel daraus (die Marke existiert seit Anfang der neunziger Jahre). Direktor im Haus ist seit Dezember 2009 Jeans-Michel Lathuilliere (57). Er stammt aus Lyon, ist Absolvent des Lycée Paul Augier de Nice, war von Mai 2008 bis November 2009 GM im Sofitel im Alter Wall in Hamburg, davor im Sofitel Strasbourg Grande Ile, wo noch heute seine Familie lebt. In Warschau übernahm er ein intaktes Haus mit einer Auslastung von 60%, das 2008 einer umfassenden Renovierung unterzogen wurde. In diesem Jahr kamen die Events und Konzerte zugute, die aus Anlaß des 200. Geburtstags von Frederick Chopin der Stadt touristischen Zuspruch bescherten, der sonst nicht so massiv auftritt. Und die Fußballeuropameisterschaft, die in Polen und der Ukraine 2012 stattfindet, wirft ihre Schatten schon voraus.
Das Haus mit 290 Zimmern und 53 Suiten hat alles was ein luxuriöses Hotel für Geschäfts- und Freizeitreisende parat hält, einschließlich Spielkasino und Gourmetrestaurant. Hier steht Olivier Croso am Herd, Chef seit 2007, mit der Cuisine Lateinamerikas vertraut. In Warschau bevorzugt er lokale Produkte, denen er französisches Flair vermittelt. Da es gelingt, auch lokale Kundschaft im Restaurant Canaletto zu begrüßen, soll sein Reich ausgebaut werden, die einzigen Expansionspläne, die in der Schublade liegen.
In der Stadt und im ganzen Land macht der Orbis Hotelgruppe der Wettbewerb zu schaffen. Die Zimmerpreise stehen permanent unter Druck, auch weil Hotels vergleichbarer Kategorie hinzukommen. Und Überkapazitäten führen zwangsläufig zu sinkenden Preisen.
Der Bereich Orbis Transport setzte im 1. Halbjahr des laufenden Geschäftsjahres PLN 74 Mill. um, 9% weniger als im ersten Halbjahr 2009. Diese rückläufigen Umsätze resultieren aus Preisverfall, vor allem im grenzüberschreitenden Verkehr. Das Ziel hier ist von weniger rentablen Kapazitäten zu trennen und mehr in Autovermietung und Leasing zu investieren.
* 1 PLN = # 0,25




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